7 Fragen an die Gründerin von MIRYAM

MIRYAM the Label wurde 2017 von Miryam gegründet. Seitdem sind sieben limitierte Slow und Fair Fashion Kollektionen entstanden und das Business ist Stück für Stück gewachsen. Miryam hat uns erzählt, wie sie ihren Weg gefunden hat und was es bedeutet, ein eigenes Unternehmen zu gründen. 

Miryam, du bist 29 Jahre alt und hast bereits dein eigenes Label gegründet. Würdest du dich selbst als zielstrebig beschreiben? 

Ja, definitiv. Schon als kleines Mädchen war ich sehr zielstrebig, habe viel gelesen und wollte immer meinen Kopf durchsetzen. Zum Beispiel war sich meine Grundschullehrerin damals nicht sicher, ob ich wirklich aufs Gymnasium gehen sollte. Ich wollte aber unbedingt dorthin und war sehr hartnäckig, bis ich sie schließlich überzeugen konnte. Nach meinem Abitur wusste ich dann allerdings erst einmal gar nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Ich wusste zwar, dass ich etwas mit Mode machen wollte, aber ich hatte keine konkrete Vorstellung. Ich habe mich dann entschieden, für ein paar Monate nach Indien zu gehen, um dort eine Hilfsorganisation zu unterstützen. Danach habe ich mehrere Anläufe in der Fast Fashion Industrie unternommen, habe aber schnell gemerkt, dass das nicht das richtige für mich ist. Mode ist dort einfach nichts besonderes mehr. Als ich mich dann für ein BWL Studium entschieden hatte, war mir schon klarer, in welche Richtung ich gehen wollte. Aber den endgültigen Anstoß mein eigenes Label zu gründen, gaben mir dann meine Bachelorarbeit, die ich über die Arbeitsbedingungen im Ausland schrieb und meine Professorin. Nach dem Abschluss, das war 2017, war ich dann zum ersten Mal auf Bali. Als ich meine zweite Heimat gesehen habe - ich bin halb Deutsche, halb Balinesin - war mir sofort klar, welche Werte mein Unternehmen vertreten sollte. Ich werde oft gefragt: Woher wusstest du, dass es Mode sein soll? Für mich ist Mode ein Gefühl, eine Leidenschaft, die ich schon als kleines Mädchen hatte. Schon für den Kindergarten habe ich mich selbst gestylt. Meine Mama sagt, dass ich bereits als Vierjährige morgens die Stoffe meiner Kleider gefühlt und miteinander verglichen habe. Es war ein morgendliches Drama, wenn sie nicht zusammen passten! Trotz dieser eindeutigen Leidenschaft war es nicht immer leicht, sich durchzusetzen. Ich hatte sehr viele Nebenjobs, manchmal mehrere gleichzeitig. Meistens in der Gastronomie. Außerdem hat man mir immer wieder gesagt: „Entscheide endlich, was du machen möchtest“, „Mach etwas Richtiges“, „Warum arbeitest du nicht etwas wie alle anderen auch?“Ich bin der Meinung, wenn dir deine Arbeit nicht gefällt, solltest du kündigen. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder von uns seinen Sinn im Leben hat und vor allem glücklich sein sollte. 


 Das ist Miryam. Wie immer, lieber hinter der Kamera. 

MIRYAM steht nicht nur für Fair Fashion, sondern vor allem auch für Slow Fashion. Was bedeutet das für dich?

Für mich bedeutet das, dass wir unsere Kollektionen immer auf eine kleine Anzahl von Stücken limitieren. Für uns ist es wichtig, dass die Kundinnen nicht in einer Flut aus Kleidung untergehen. Sie sollen einen Sinn dafür bekommen, was sie wirklich brauchen und was nicht. Das ist nicht ganz einfach in Zeiten von endlosem Marketing und Anzeigen auf Plattformen wie Instagram. Die neue Spring/Summer Kollektion fokussiert sich deshalb wieder auf die Anfänge von MIRYAM. Eine Kollektion aus Basics, die nie aus der Mode kommen und die alle untereinander kombiniert werden können. Für mich bedeutet Slow Fashion außerdem, die Kundinnen daran zu erinnern, was sie bereits im Kleiderschrank haben und wie sie ihre Teile gekonnt mit unseren kombinieren können. Wir entschleunigen den gesamten Prozess, launchen nur wenige Stücke im Jahr und arbeiten nach einem Pre-Order Prinzip. Auf diese Weise wissen wir, welche Mengen wir produzieren müssen und können damit Überproduktionen vermeiden. 

Welchen Herausforderungen muss sich ein kleines Fair Fashion Label auf dem Markt stellen? 

Ich denke die größte Herausforderung ist, dass aktuell so viele kleine Labels entstehen und sich jedes davon erst einmal einen Marktanteil sichern muss. Und dann ist da natürlich die Finanzierung, die von Beginn an mein größtes Hindernis war. Wenn man, wie in meinem Fall, keine reichen Elter hat, die einen unterstützen und du gerade erst deinen Abschluss mit Hilfe eines BAföG Kredits abgeschlossen hast, ist es nicht so leicht, für alles zu bezahlen. Angefangen von der Produktion über die Stoffe bis hin zum Marketing und der Verpackung. Du hast Schneiderinnen engagiert, dir Unterstützung für den Online Shop geholt und hast erst vor kurzem den Versand ausgelagert. Welche Aufgaben fallen im Daily Business einer Modemarke noch an und wie schaffst du es, allen gerecht zu werden? Manchmal weiß ich eigentlich gar nicht, woran ich den ganzen Tag arbeite, bis er dann plötzlich vorbei ist. Die meiste Zeit erstelle ich Cash Flow Analysen, kümmere mich um den Instagram Account, organisiere Shootings und alles rund um die Produktion - Sample Checks, Versand von Samples an die Produktionsstätten. Und es fallen auch wahnsinnig viele Kleinigkeiten an, wie zum Beispiel das Bestellen von Etiketten, Drucken von Karten, die Verpackungen zu organisieren, neue Stoffe ausfindig zu machen und vieles mehr. Aber ich habe wirklich einige Engel gefunden, die mich bei vielen Dingen unterstützen. Also habe ich eigentlich mehr Hilfe als oben beschrieben.

 MIRYAM auf Instagram. Immer neuen und kreativen Content zu produzieren bedeutet viel Arbeit.

Wie ist es, seine eigene Chefin zu sein?

Es war immer mein Traum, selbstständig zu sein. Aber es gibt Tage, an denen wünsche ich mir mehr Freizeit zu haben und mich entspannen zu können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Selbstständig zu sein bedeutet, keine Wochenenden oder Urlaube mehr zu haben, ohne an deine Firma und vor allem deine Existenz zu denken. Welchen Tipp gibst du jungen Frauen mit auf den Weg, die ihr eigenes Business gründen möchten?Gib nicht auf! Ich habe viele Erfahrungen gemacht, schöne und weniger schöne, und jede davon bringt einen weiter. Noch ein wichtiger Tipp, da ich das manchmal selbst schmerzlich lernen musste: Verträge vor Vertrauen. Wenn du an die Zukunft denkst: 

Was wünscht du dir für dein Label und die Fair Fashion Branche im Allgemeinen?

Ich wünsche mir, dass wir alle anfangen, Dinge mehr zu respektieren und wertzuschätzen. Natur, Menschen, unseren Planeten. Und für mein Label wünsche ich mir, dass wir jetzt wirklich durchstarten und als die Lovebrand für nachhaltige Mode bekannt werden, die wir wirklich sind.

 by Anni

1 Kommentar

Melanie

So inspiring! Miryam, you can be proud of yourself of what you created with so much love and passion. I’m also thinking about establishing my own business – your words gave me the motivation I needed today. Best, Melanie

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